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Sternentstehung
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top
Als Sternentstehung bezeichnet man allgemein jene Entwicklungsstadien, die bei der Bildung eines Hauptreihensterns aus dem kollabierenden Kern einer ausgedehnten MolekĂŒlwolke durchlaufen werden. Dabei verdichtet sich die zunĂ€chst diffus verteilte interstellare Materie um einen Faktor von etwa 1018 bis 1020. Zuletzt unterscheidet man mehrere Kollapsphasen, nĂ€mlich die Bildung
1. eines prÀstellaren Kerns,
2. eines Protosterns, und schlieĂlich
3. eines Vorhauptreihensterns.
WÀhrend massearme Sterne auch isoliert entstehen können, findet die Bildung massereicherer Sterne vornehmlich in Sternhaufen statt. Diese unterschiedlichen Arten der Sternentstehung bestimmen wesentlich die Eigenschaften und die Entwicklung von Galaxien.
Contents
âą MolekĂŒlwolken
âą Erster Kollaps
âą Protosterne
âą Zweiter Kollaps
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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MolekĂŒlwolken
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Hauptartikel
:
MolekĂŒlwolke
Voraussetzung fĂŒr die Entstehung von Sternen ist das Vorhandensein vergleichsweise dichter, kalter Materiewolken, sogenannter MolekĂŒlwolken. Erste Anzeichen fĂŒr diese Wolken ergaben sich bereits aus Beobachtungen im 18. und 19. Jahrhundert: Caroline Herschel berichtet, ihr Bruder Wilhelm Herschel habe eine scheinbar sternlose Region, die aus heutiger Perspektive einer solchen MolekĂŒlwolke entspricht, im Sternbild Skorpion gefunden und mit den Worten âHier ist wahrhaftig ein Loch im Himmelâ kommentiert.cite-ref-1[1] Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts konnten groĂflĂ€chige Himmelsdurchmusterungen mittels fotografischer Platten nachweisen, dass diese dunklen Regionen durch interstellare Wolken verursacht werden, die dahinterliegende Sterne verdecken.cite-ref-2[2] Bart Bok identifizierte schlieĂlich diese Dunkelwolken als Orte der Sternentstehung, wohingegen deren Zusammensetzung weiterhin ein RĂ€tsel blieb.cite-ref-3[3]
Heute ist es allgemein bekannt, dass diese Wolken zu rund 70 % aus molekularem Wasserstoff (H2) bestehen (woraus sich der Name âMolekĂŒlwolkeâ ableitet), der von einer HĂŒlle aus neutralen Wasserstoffatomen (H-I) umgeben ist. Neben H2 finden sich in diesen Wolken noch weitere MolekĂŒle, beispielsweise Kohlenmonoxid (CO). Des Weiteren findet sich rund 1 % der Masse in Form von interstellarem Staub (Silikat- oder Graphitteilchen von der GröĂe 0,1 ”m).cite-ref-4[4]
In der MilchstraĂe finden sich MolekĂŒlwolken mit mittlerer Dichte von etwa 100 H2-MolekĂŒlen je cmÂł hauptsĂ€chlich in den Spiralarmen. Einige groĂe Komplexe können dabei Durchmesser von etwa 150 Lichtjahren und Massen von 105 bis 106 Sonnenmassen (Mâ) erreichen und werden deswegen auch als RiesenmolekĂŒlwolken bezeichnet (engl.: Giant Molecular Cloud oder GMC).cite-ref-5[5] Es gibt jedoch auch kleinere, relativ isolierte MolekĂŒlwolken mit Massen von weniger als hundert Sonnenmassen.cite-ref-6[6]
Beobachtung von MolekĂŒlwolken
Da molekularer Wasserstoff aufgrund seiner Symmetrie kein elektrisches Dipolmoment hat, hat er bei Temperaturen von 10â20 K, wie sie in MolekĂŒlwolken ĂŒblich sind, keine beobachtbaren Absorptions- oder Emissionslinien und kann somit nicht beobachtet werden. Stattdessen mĂŒssen indirekte Beobachtungsmethoden (engl. Tracer), wie entweder das Vorhandensein von StellvertretermolekĂŒlen oder von Staub genutzt werden. Die hĂ€ufigsten Methoden sind:
Beobachtungen von Kohlenmonoxid
Kohlenmonoxid (CO) stellt nicht nur das zweithĂ€ufigste MolekĂŒl in solchen Wolken dar, sondern hat die Eigenschaft, dass seine RotationsĂŒbergĂ€nge â ĂbergĂ€nge von einem Rotationszustand in einen anderen, bei denen Infrarotlicht ausgesandt wird â selbst bei niedrigen Teilchendichten beobachtet werden können. Aus solchen Beobachtungen folgt die Verteilung auf groĂen Skalen sowie die Menge der CO-MolekĂŒle. Unter der Annahme, dass das ZahlenverhĂ€ltnis von CO- zu H2-MolekĂŒlen konstant ist, kann ein Umrechnungsfaktor zwischen der H2-Dichte und der IntensitĂ€t bestimmter CO-Spektrallinien bestimmt werden; diesen Umrechnungsfaktor vorausgesetzt, kann aus Messungen an CO die Gesamtstruktur der MolekĂŒlwolke rekonstruiert und ihre Masse bestimmt werden. Eine weitere empirische Beziehung besteht zwischen der Ausdehnung der Wolke und der Linienbreite der CO-Linien.cite-ref-7[7]cite-ref-8[8]
Beobachtungen der WellenlÀngenabhÀngigkeit der Extinktion
Blaues Licht wird stĂ€rker an den interstellaren Staubteilchen gestreut als rotes. Dieser Umstand kann genutzt werden, um Extinktionskarten zu erstellen: Hintergrundsterne, die durch eine MolekĂŒlwolke scheinen, erscheinen systematisch röter als deren intrinsische Farbe, wenn sich entlang der Sichtlinie mehr Staub befindet, und weniger rot bei geringerem Staubaufkommen. Die Rötung ist direkt proportional zur Menge an interstellarem Staub entlang der Sichtlinie. Dies erlaubt, unter der Annahme eines konstanten MassenverhĂ€ltnisses von Staub zu molekularem Wasserstoff, RĂŒckschlĂŒsse auf dessen Verteilung und somit auf die Struktur einer MolekĂŒlwolke.cite-ref-9[9]cite-ref-10[10] Diese Methode wird hauptsĂ€chlich bei NahinfrarotwellenlĂ€ngen angewendet. Hier hat sich fĂŒr Astronomen der 2MASS (Two Micron All-Sky Survey) mit Beobachtungen bei 1,2 ”m, 1,6 ”m und 2,2 ”m als wahre Fundgrube erwiesen, da er ihnen erlaubt, sogenannte Extinktionskarten des gesamten Himmels zu erstellen.cite-ref-11[11]
Ferninfrarotbeobachtungen
Aufgrund der niedrigen Temperatur von nur rund 10 K liegt die thermische Emission der Staubteilchen in den MolekĂŒlwolken bei WellenlĂ€ngen von rund 250 ”m. In diesem WellenlĂ€ngenbereich sind MolekĂŒlwolken gröĂtenteils optisch dĂŒnn, was einen direkten RĂŒckschluss auf die Menge an Staub entlang der Sichtlinie zulĂ€sst. Da dieser WellenlĂ€ngenbereich jedoch nicht in einem AtmosphĂ€renfenster liegt, sind Beobachtungen nur ĂŒber Satelliten, wie z. B. ISO, möglich.cite-ref-12[12] Das im Jahr 2009 gestartete Satellitenteleskop Herschel bietet den Astronomen bisher unerreichte Auflösung und SensitivitĂ€t und hat seither die Art und Weise, wie Astronomen Sternentstehung sehen, revolutioniert.cite-ref-13[13]
MolekĂŒlwolkenstruktur
| | Clouds | Clumps | Cores |
|---|---|---|---|
| Masse (M â ) | 10 3 â10 4 | 50â500 | 0,5â5 |
| Ausdehnung ( pc ) | 2â15 | 0,3â3 | 0,03â0,2 |
| mittlere Dichte n(H 2 ) (cm â3 ) | 50â500 | 10 3 â10 4 | 10 4 â10 5 |
| Gas Temperatur (K) | â10 | 10â20 | 8â12 |
Einfache, analytisch lösbare Sternentstehungsmodelle gehen von sphĂ€rischen MolekĂŒlwolken aus. Dies fĂŒhrte zur Vorhersage von deutlich zu hohen Sternentstehungsraten. FĂŒr realitĂ€tsnĂ€here Computersimulationen der Sternentstehung muss jedoch berĂŒcksichtigt werden, dass MolekĂŒlwolken eine stark ausgeprĂ€gte, filamentĂ€re Struktur haben. Entlang dieser Filamente befinden sich wie Perlen an einer Kette Verdichtungen, die als die GeburtsstĂ€tte von Sternen angesehen werden.cite-ref-15[15] Der physikalische Hintergrund dieser Struktur ist bis heute nicht vollstĂ€ndig verstanden. Man geht jedoch davon aus, dass ein Zusammenspiel von Gravitation und Turbulenz die Ursache ist. Die Turbulenz sorgt dabei fĂŒr die lokalen Verdichtungen, aus denen sich im weiteren Verlauf Sterne bilden.cite-ref-maclowklessen2004-16-0[16] Eine weitere Ursache fĂŒr eine lokale Erhöhung der Gasdichte kann der Einfluss massereicher Sterne sein, die durch Sternenwinde das Material zusammenschieben und verdichten.
Ăblicherweise definiert man in einer MolekĂŒlwolke eine hierarchische Struktur. Obwohl diese Unterteilung vermutlich keinen physikalischen Hintergrund hat und eine MolekĂŒlwolke eher eine fraktale Struktur besitzt, ist die Einteilung in Wolke (engl. Cloud), Klumpen (engl. Clump) und Kern (engl. Core) ĂŒblich und weit verbreitet. Als Cloud wird dabei die gesamte Struktur bezeichnet, ein Clump ist eine physikalisch zusammenhĂ€ngende Untergruppe und ein Core ist eine gravitativ gebundene Einheit, die ĂŒblicherweise als der direkte VorgĂ€nger eines Protosterns gesehen wird.cite-ref-17[17]
Erster Kollaps
Kollaps von MolekĂŒlwolkenkernen
Sterne entstehen aus dichten MolekĂŒlwolkenkernen, die in eine MolekĂŒlwolke eingebettet sind. Innerhalb einer solchen MolekĂŒlwolke wirken verschiedenste KrĂ€fte. Am wichtigsten ist die Gravitation, die durch ihre anziehende Wirkung dafĂŒr sorgt, dass sich diese Kerne weiter zusammenziehen. Diesem Kollaps wirkt hauptsĂ€chlich die thermische Energie, also die Eigenbewegung der MolekĂŒle, entgegen, die diese nur aufgrund ihrer Temperatur besitzen. Wichtig zur StabilitĂ€t können jedoch auch Magnetfelder und/oder Turbulenz sein.cite-ref-maclowklessen2004-16-1[16]
StabilitÀt und Kollaps
Ein einfaches Mittel zur StabilitĂ€tsanalyse liefert die sogenannte Virial-Analyse. Ist ein MolekĂŒlwolkenkern im Gleichgewicht, so balancieren sich (unter VernachlĂ€ssigung von Magnetfeldern und Turbulenz) die kinetische Energie der Teilchen und deren potentielle Gravitationsenergie gerade aus. FĂŒr den Fall, dass die Gravitationsenergie ĂŒberwiegt, folgt unweigerlich der Kollaps dieses Kerns. Die Virial-Analyse ist fĂŒr einen Kern mit homogener Dichte leicht durchzufĂŒhren, dient jedoch nur als grobe AbschĂ€tzung der StabilitĂ€t einer MolekĂŒlwolke. Damit eine reale Wolke stabil ist, muss der Druck im Inneren höher sein als in weiter auĂen liegenden Schichten.cite-ref-18[18] Wird dies in der StabilitĂ€tsanalyse berĂŒcksichtigt, so ist das Kriterium fĂŒr StabilitĂ€t ein DichteverhĂ€ltnis zwischen Zentrum und HĂŒlle. Im Grenzfall fĂŒr kritische StabilitĂ€t spricht man von einer Bonnor-Ebert-SphĂ€re, und das StabilitĂ€tskriterium kann umgerechnet werden in eine sogenannte Bonnor-Ebert-Masse, die die Wolke ĂŒberschreiten muss, damit ein Kollaps einsetzen kann.cite-ref-19[19]cite-ref-20[20]
Ăberschreitet ein MolekĂŒlwolkenkern seine kritische Masse (d. h. die thermische Bewegung der Teilchen kann der Eigengravitation nichts entgegensetzen), so folgt unweigerlich der Kollaps. Dabei erfolgt die Kontraktion, sobald die Grenze zur InstabilitĂ€t einmal ĂŒberschritten ist, quasi im freien Fall, das heiĂt die nach innen stĂŒrzenden Schichten spĂŒren nur das Gravitationspotential und fallen ungebremst (und damit insbesondere schneller als lokale Schallgeschwindigkeit) in Richtung Zentrum.cite-ref-21[21] Der Kollaps breitet sich dabei von innen nach auĂen mit Schallgeschwindigkeit aus (âInside-Out Collapseâ): Die Region, die kollabiert, wird rund um die dichtesten Kernregionen immer gröĂer, und immer mehr des zuvor statischen, dĂŒnnen Gases wird in den Kollaps mit einbezogen.cite-ref-22[22]
Wie erwĂ€hnt, besitzt ein Kern anfĂ€nglich eine erhöhte Dichte im Zentrum, weswegen in dieser Region der Kollaps auch schneller ablĂ€uft als in der HĂŒlle. WĂ€hrend dieses Kollapses wird Gravitationsenergie in thermische Energie umgewandelt und im mm-WellenlĂ€ngenbereich abgestrahlt. Da die Ă€uĂeren HĂŒllen jedoch fĂŒr Strahlung dieser WellenlĂ€ngen durchlĂ€ssig sind, wird die gravitative Bindungsenergie komplett nach auĂen abgestrahlt. Deswegen ist diese erste Phase isotherm, die Temperatur des Kerns Ă€ndert sich also zunĂ€chst nicht.
Spielen Magnetfelder eine Rolle, so wird die Situation deutlich komplizierter. Elektronen und Ionen bewegen sich wendelförmig um die Magnetfeldlinien. In deren Richtung ist ein Kollaps ungehindert möglich. FĂŒr Bewegungen senkrecht zu den Feldlinien ist die Physik komplizierter. Durch die Bindung der ionisierten Materie an das Magnetfeld behindert dieses den Kollaps, wird aber auch umgekehrt von der Materie mitgenommen. So wie die Materie sich verdichtet, verstĂ€rkt sich das Magnetfeld. Neutrales und ionisiertes Gas koppeln aneinander durch StöĂe von MolekĂŒlen und Ionen und bewegen sich gemeinsam. Mit steigender Dichte fĂ€llt der Ionisationsgrad und die Kopplung wird schwĂ€cher, d. h., die Zeitskala, auf der Materie beiderlei Ladung quer zu den Feldlinien in dichtere Gebiete diffundieren kann (Ambipolare Diffusion), nimmt ab. Allerdings nimmt im freien Fall auch die verfĂŒgbare Zeit ab, und die magnetische Spannung steigt mit der Verformung der Feldlinien.cite-ref-23[23]
Im weiteren Verlauf des Kollapses steigt die Dichte weiter an, die HĂŒlle wird fĂŒr die Strahlung optisch dick und bewirkt somit eine Aufheizung. Langsam fĂŒhrt diese Aufheizung zur Ausbildung eines hydrostatischen Gleichgewichts im Zentrum, welches den Kollaps verlangsamt und schlieĂlich stoppt.cite-ref-24[24]
Dieser sogenannte erste Kern, englisch auch First Hydrostatic Core (FHSC), der zum GroĂteil aus WasserstoffmolekĂŒlen besteht, hat einen Radius von typischerweise 10 bis 20 AE, was etwa dem dreifachen Radius der Jupiterbahn entspricht.cite-ref-25[25] Im Zentrum ist der Kollaps nun zunĂ€chst gestoppt, die weiter auĂen liegenden Bereiche der HĂŒlle stĂŒrzen jedoch weiterhin im freien Fall auf diesen ersten Kern. Das Auftreffen der Materie auf den hydrostatischen Kern fĂŒhrt dabei zur Ausbildung von Schockwellen,cite-ref-26[26] die schlieĂlich den Kern noch zusĂ€tzlich aufheizen. Diese erste Phase der Sternentstehung vom Kollaps bis hin zur Bildung eines hydrostatischen Kerns dauert rund 10.000 Jahre und ist durch die sogenannte Freifallzeit definiert.cite-ref-27[27]
Beobachtung von prÀstellaren Kernen
PrĂ€stellare Kerne werden mit den gleichen Methoden wie MolekĂŒlwolken beobachtet. Zum einen schluckt der in ihnen enthaltene Staub das Licht von Hintergrundsternen, weswegen sie im optischen und nahen Infrarot als sternfreie Gebiete zu sehen sind. Zum anderen strahlen sie auch durch ihre Temperaturen von rund 10 K bei (sub-) mm-WellenlĂ€ngen und können dort durch die thermische Emission des Staubs gesehen werden.cite-ref-28[28]cite-ref-29[29]
Ebenso wie MolekĂŒlwolken im Allgemeinen werden auch prĂ€stellare Kerne mit Hilfe von MolekĂŒllinien beobachtet und nachgewiesen. Im Gegensatz zur MolekĂŒlwolke, die hauptsĂ€chlich durch CO nachgewiesen wird, macht man sich bei der Beobachtung von Kernen verschiedene Effekte zu Nutze. Zum einen ist das Zentrum eines Kerns durch dessen HĂŒlle vom interstellaren Strahlungsfeld geschĂŒtzt. Das lĂ€sst dort chemische Verbindungen entstehen, die durch diese Strahlung zerstört wĂŒrden. Somit kommen in prĂ€stellaren Kernen MolekĂŒle vor, die sich im interstellaren Medium nicht finden. Zum anderen sind die Kerne so dicht, dass diese MolekĂŒle durch Kollisionen mit WasserstoffmolekĂŒlen zu höheren ZustĂ€nden angeregt werden und charakteristische Spektrallinien abstrahlen.
Die Chemie innerhalb eines solchen prĂ€stellaren Kerns ist heute noch Gegenstand der aktuellen Forschung, da neben chemischen Reaktionen in der Gasphase auch das sogenannte Ausfrieren von MolekĂŒlen auf Staubteilchen und die damit verbundene Chemie der Staubteilchen mit berĂŒcksichtigt werden muss.
Ebenso unbekannt und bisher noch nie beobachtet ist die Ăbergangsphase von einem prĂ€stellaren in einen protostellaren Kern, das heiĂt die Beobachtung eines ersten Kerns. Allerdings sind einige Kandidaten fĂŒr ein solches Objekt entdeckt worden, eine bestĂ€tigte Beobachtung ist bis heute jedoch ausgeblieben.cite-ref-30[30]
Protosterne
Zweiter Kollaps
Die Aufheizung des sogenannten ersten Kerns dauert nur so lange an, bis die Temperatur ausreicht, um die WasserstoffmolekĂŒle in ihre Einzelatome zu spalten. Die Energie, die dabei abgegeben wird, steht jedoch nicht mehr zur Stabilisierung des Kerns zur VerfĂŒgung. Dies fĂŒhrt zu einem zweiten Kollaps, der erst gestoppt wird, wenn sich erneut ein hydrostatisches Gleichgewicht ausbildet. Der zweite Kern besteht jedoch hauptsĂ€chlich aus Wasserstoffatomen und hat etwa eine Ausdehnung von eineinhalb Sonnenradien. Aus einem prĂ€stellaren Kern ist schlieĂlich ein Protostern geworden: ein Stern, der noch an Masse gewinnt und seine Leuchtkraft vor allem aus der Akkretion von auĂen auf das Objekt fallender Materie bezieht.cite-ref-stahlerpalla1112-31-0[31]
Obwohl dieser Protostern bereits mit einer Temperatur von einigen 1000 K strahlt, ist er von auĂen durch die ihn umgebende dichte HĂŒlle verdeckt. Seine Strahlung sorgt jedoch fĂŒr eine graduelle Aufheizung der MolekĂŒlwolke von innen heraus. In den inneren Regionen steigt die Temperatur bis ĂŒber 1500 K, so dass alle heiĂen Staubteilchen verdampfen. Dort bildet sich eine weitgehend strahlungsdurchlĂ€ssige Region (âopacity gapâ) im Inneren des Staubmantels.cite-ref-32[32]
Steigt die Temperatur in den Zentralbereichen der MolekĂŒlwolke ĂŒber Temperaturen von rund 100 K, beginnen die MolekĂŒle aus der EishĂŒlle um die Staubteilchen auszudampfen und in die Gasphase ĂŒberzutreten. In diesem sogenannten Hot Corino finden durch die erhöhten Temperaturen und hohen HĂ€ufigkeit von MolekĂŒlen in der Gasphase eine Vielzahl von chemischen Reaktionen statt.cite-ref-33[33] Die VorgĂ€nge in diesen Regionen stehen somit im Gegensatz zu denen in den kalten AuĂenbereichen der protostellaren Wolke, die von ihren Bedingungen her immer noch den prĂ€stellaren Kernen Ă€hneln.
Die weiter auĂen liegenden HĂŒllenbereiche, die sich immer noch im freien Fall befinden, regnen weiterhin auf den Protostern nieder und sorgen so fĂŒr einen steten Massenzuwachs. Der GroĂteil der Leuchtkraft wird aus diesem Akkretionsprozess gewonnen. Noch befindet sich jedoch nur rund etwa 1 % der Gesamtmasse des MolekĂŒlwolkenkerns im Zentralgestirn. Die Phase, in der der Stern durch den Einfall von HĂŒllenmaterial stetig an Masse zunimmt, nennt man Hauptakkretionsphase.cite-ref-stahlerpalla1112-31-1[31] In vereinfachender Betrachtung vollzieht sich dieser Kollaps radialsymmetrisch. Genauer betrachtet besitzen die MolekĂŒlwolkenkerne jedoch einen von Null verschiedenen Drehimpuls, sodass Staub und Gas nicht ohne Weiteres auf das Zentralgestirn fallen können.
Zirkumstellare Scheibe und Jets
Ein Kollaps erfordert eine Umverteilung des Drehimpulses. Dies fĂŒhrt hĂ€ufig zur Bildung von Doppel- oder Vielfachsternsystemen,cite-ref-34[34] oder senkrecht zur Rotationsachse einer zirkumstellaren Scheibe.cite-ref-35[35] Innerhalb dieser Scheibe ist ein effektiver Transport von Drehimpuls möglich, was einerseits dazu fĂŒhrt, dass Partikel Richtung Zentralgestirn wandern, andererseits aber auch zu einer Ausweitung der Scheibe, da die Teilchen, die Drehimpuls aufnehmen, weiter nach auĂen driften. Diese Scheibe kann eine Ausdehnung von rund 100 AE haben.
Neben einer zirkumstellaren Scheibe bilden diese Protosterne senkrecht dazu bipolare, stark kollimierte Jets aus.cite-ref-36[36] Diese werden durch ein Zusammenspiel von Rotation, Magnetfeldern und Akkretion erzeugt. Es wird angenommen, dass bereits FHSCs (erste Kerne) schwache molekulare AusflĂŒsse bilden können, wĂ€hrend Jets in der spĂ€teren Evolutionsphase gebildet werden.cite-ref-37[37] GefĂŒttert werden diese durch Material aus der zirkumstellaren Scheibe. Sie stoĂen dabei mit Ăberschallgeschwindigkeit in das umgebende HĂŒllenmaterial, was zur Ausbildung von Schocks fĂŒhrt. Diese Schocks heizen sich stark auf, und dies ermöglicht chemische Reaktionen, die zur Bildung neuer MolekĂŒle fĂŒhren können. Neben den Jets mit Geschwindigkeiten von einigen 100 km/s gibt es auch langsamere, weniger kollimierte AusflĂŒsse molekularer Materie mit Geschwindigkeiten von bis zu einigen 10 km/s.cite-ref-38[38] Dabei handelt es sich wohl um Material, das der Jet beim Durchströmen der HĂŒlle mit sich reiĂt. Der Jet frisst somit langsam einen Hohlraum in die protostellare Wolke. Dieser Hohlraum ist zunĂ€chst noch sehr schmal, mit Ăffnungswinkeln von nur einigen Grad, weitet sich jedoch mit fortschreitender Zeit immer weiter aus und sorgt fĂŒr die Zerstreuung und AusdĂŒnnung der HĂŒlle in Richtung der AusflĂŒsse.
Der Protostern selbst akkretiert weiter Materie. Sie fĂ€llt jetzt jedoch nicht mehr direkt und isotrop auf ihn ein, sondern wird hauptsĂ€chlich ĂŒber die zirkumstellare Scheibe aufgenommen (weswegen diese oft auch Akkretionsscheibe genannt wird).
Klassifizierung von Protosternen
| Spektralklasse | Spektralindex |
|---|---|
| Klasse 0 | â0,0 > â |
| Klasse I | â0,0 > α > 0,3 |
| Flaches Spektrum | â 0,3 > α > â0,3 |
| Klasse II | â0,3 > α > â1,6 |
| Klasse III | â0,0 > α < â1,6 |
Zur genaueren evolutionÀren Klassifizierung dienen Astronomen hier sogenannte spektrale Energieverteilungen (engl. spectral energy distribution, SED), der Farbindex und insbesondere der sogenannte Spektralindex
α α = d log ⥠⥠( λ λ F λ λ ) d log ⥠⥠λ λ {\displaystyle \alpha ={\frac {\mathrm {d} \log(\lambda F_{\lambda })}{\mathrm {d} \log \lambda }}} .
Hierbei ist λ λ {\displaystyle \lambda } die WellenlĂ€nge und F λ λ {\displaystyle F_{\lambda }} die spektrale Flussdichte. Ăblicherweise wird zur Klassifikation der Spektralindex fĂŒr Nahinfrarot-WellenlĂ€ngen zwischen 2,2 und 10 ÎŒm herangezogen. Die Strahlung von protostellaren Systemen ist dominiert durch thermische Strahlung. In der FrĂŒhphase mit Temperaturen von einigen 10 K ist das Strahlungsmaximum weit im fernen Infrarot und die StrahlungsintensitĂ€t steigt somit mit steigender WellenlĂ€nge an (α > 0). Beim Erreichen der Hauptreihe ist die SED dominiert durch das Zentralgestirn mit Temperaturen von einigen 1000 K mit dem Strahlungsmaximum im Optischen und einem daraus resultierenden negativen Spektralindex.
Beobachtung von Protosternen
Im optischen und Nahinfrarot-WellenlĂ€ngenbereich unterscheiden sich protostellare Kerne kaum von prĂ€stellaren Kernen. Die dichte HĂŒlle verschluckt das Licht dahinter liegender Sterne, weswegen sie am Himmel ebenfalls als dunkle Regionen erkennbar sind. Bei (sub-) mm-WellenlĂ€ngen sieht man ebenfalls die thermische Strahlung des Staubs in der HĂŒlle.
Unterschiede zeigen sich bei Beobachtungen in den dazwischen liegenden WellenlĂ€ngen, da die HĂŒlle bei diesen WellenlĂ€ngen durchsichtig wird. Da diese Beobachtungen im mittleren und fernen Infrarot aufgrund der AtmosphĂ€re nicht von der ErdoberflĂ€che aus möglich waren, konnte erst mit Hilfe von Satellitenmissionen und voranschreitender Detektor-Technologie diese LĂŒcke geschlossen werden.
Wichtigstes Instrument zur Beobachtung dieser FrĂŒhphasen der Sternentstehung war die Satellitenmission IRAS, die den ganzen Himmel systematisch mit Breitbandfiltern mit zentralen WellenlĂ€ngen von 12 ÎŒm, 25 ÎŒm, 60 ÎŒm und 100 ÎŒm untersuchte. Klasse-0-Protosterne konnten dabei meist, abhĂ€ngig von der Entfernung des Objekts, nur in den lĂ€ngeren WellenlĂ€ngen detektiert werden, da sie noch zu kalt sind, um bei WellenlĂ€ngen von nur einigen 10 ÎŒm stark zu strahlen. Mit dem Start des Spitzer-Weltraumteleskops im Jahre 2003 konnten durch dessen höhere SensitivitĂ€t jedoch auch bei kĂŒrzeren WellenlĂ€ngen (z. B. 24 ÎŒm) eine Reihe von Klasse-0-Protosternen in MolekĂŒlwolken entdeckt werden, die man bisher fĂŒr sternenlos gehalten hatte. Diese Objekte bilden die neue Klasse der sogenannten VeLLOs (engl. Very Low Luminosity Objects) und sind Gegenstand aktueller Forschung.cite-ref-40[40]
Neben der WĂ€rmestrahlung der protostellaren Wolke ist es auch möglich, die bipolaren Materie-AusflĂŒsse zu beobachten. Hierzu beobachtet man hĂ€ufig MolekĂŒllinienĂŒbergĂ€nge von CO (und dessen Isotopen). Sie erlauben RĂŒckschlĂŒsse ĂŒber Geschwindigkeiten in den AusflĂŒssen oder aber auch ĂŒber Anregungsbedingungen (Dichte, Temperatur, âŠ). Andere MolekĂŒle, die z. B. nur in den extremen Umweltbedingungen von Jets gebildet werden können, werden hĂ€ufig verwendet, um die Natur von Jets zu erforschen. Auch die Rotationssignatur der Scheibe kann mit Hilfe diverser MolekĂŒllinienĂŒbergĂ€nge gesehen werden. Die geringe Ausdehnung dieser Scheiben erschwert jedoch eine rĂ€umliche Auflösung, weswegen oft interferometrische Aufnahmen nötig sind.
Spektrale Klassifikation
Sterne werden wĂ€hrend ihrer Entstehungsphase ĂŒber die spektrale Energieverteilung (SED) charakterisiert und klassifiziert. Die SED von Klasse-0-Protosternen Ă€hnelt in ihrer Form der eines kalten Schwarzkörpers mit einer Temperatur von nur rund 20â30 K. Im Zentrum hat sich zwar bereits ein Protostern gebildet; seine Strahlung wird jedoch durch die dichte HĂŒlle komplett absorbiert und sorgt fĂŒr dessen Aufheizung.
Die SED von Klasse-I-Protosternen wird immer noch durch die thermische Strahlung der kalten StaubhĂŒlle dominiert. Es zeigt sich jedoch bei kĂŒrzeren WellenlĂ€ngen die Schwarzkörperstrahlung des Protosterns im Zentrum, der bereits eine Temperatur von einigen 1000 K besitzt. Neben der thermischen Strahlung zeigen sich in der SED auch spektrale Eigenheiten des HĂŒllenmaterials. Das Strahlungsmaximum bei 10 ”m ist auf Staub in Form von Silikaten zurĂŒckzufĂŒhren.
Vorhauptreihensterne
In der FrĂŒhphase der Sternentstehung bezieht der Protostern einen GroĂteil der Leuchtkraft aus der Akkretion von Material aus der HĂŒlle. Im weiteren Verlauf der Evolution nimmt diese jedoch immer weiter ab, und die Leuchtkraft wird hauptsĂ€chlich durch die Eigenkontraktion des Zentralgestirns geliefert. In diesem Stadium spricht man nicht mehr von einem Protostern, sondern von einem Vorhauptreihenstern.
T-Tauri-Sterne und Herbig-Ae/Be-Sterne
Die astronomische Nomenklatur fĂŒr Sterne in diesem Stadium richtet sich nach der Masse: Bei einer Masse von weniger als 2 Sonnenmassen spricht man von T-Tauri-Sternen, bei massereicheren Sterne mit bis zu 8 Sonnenmassen von Herbig-Ae/Be-Sternen.
Bei T-Tauri-Sternen ist die HĂŒlle bereits so weit ausgedĂŒnnt, dass sie einen direkten Blick auf das Zentralgestirn und die umgebende Scheibe erlaubt. Es zeigt sich, dass diese jungen Sterne infolge starker Magnetfelder zu einem GroĂteil von âSternfleckenâ bedeckt sind.cite-ref-41[41] Des Weiteren besitzen T-Tauri-Sterne starke Winde,cite-ref-42[42] sodass die weitere Akkretion, etwa 10â9 bis 10â7 Sonnenmassen pro Jahr,cite-ref-43[43] nur noch ĂŒber die protoplanetare Scheibe geschieht, die anfangs rund 0,5 % der Masse des Zentralgestirns ausmacht. Im Laufe von rund 2 Millionen Jahren löst sich die Scheibe durch verschiedenste Prozesse (Akkretion, Jets, Photoevaporation und andere) auf.cite-ref-44[44]
Haben T-Tauri-Sterne anfangs noch starke Emissionslinien, so nimmt deren IntensitÀt im Zuge der Auflösung der protoplanetaren Scheibe ab. Man spricht deswegen auch von Weak T-Tauri Stars (WTTS) im Gegensatz zu den klassischen T-Tauri-Sternen (engl. classical T-Tauri Star CTTS).cite-ref-45[45] Mit abnehmender Gasmasse in der Scheibe sinkt auch die Jet-AktivitÀt.
Im Hertzsprung-Russell-Diagramm (HRD) tauchen T-Tauri-Sterne ĂŒber der Hauptreihe auf und wandern zunĂ€chst auf der Hayashi-Linie fast senkrecht nach unten. Im Zentrum nimmt dabei die Temperatur zu, sie reicht jedoch zunĂ€chst nur fĂŒr die energetisch unerhebliche Fusion primordialen Deuteriums und Lithiums. ZunĂ€chst ist der Stern optisch dick, so dass die im Inneren freigesetzte Gravitationsenergie durch Konvektion nach auĂen gelangt. Sterne mit einer Masse von mehr als 0,5 Sonnenmassen bilden frĂŒher oder spĂ€ter eine kompakte Kernzone, deren hohe Fallbeschleunigung Konvektion unterbindet. Mit der BeschrĂ€nkung auf Strahlungstransport steigt die Temperatur, auch im Ă€uĂeren, konvektiven Teil der HĂŒlle, und der Vorhauptreihenstern schwenkt im HRD auf einen fast waagrechten Evolutionspfad. SchlieĂlich setzt die Kernfusion von Wasserstoff ein und verhindert eine weitere Kontraktion, der Stern hat die Hauptreihe erreicht. Sterne mit einer Masse von weniger als 0,5 Sonnenmassen bleiben bis zum Erreichen der Hauptreihe vollkonvektiv. Sterne mit weniger als 0,08 Sonnenmassen (in etwa 80 Jupitermassen) erreichen nicht die fĂŒr das Wasserstoffbrennen nötige Kerntemperatur. Ihre Kontraktion endet mit der Entartung der Elektronen. In der Folge kĂŒhlen diese âgescheiterten Sterneâ als Braune Zwerge aus.
Beobachtung von Vorhauptreihensternen
Vorhauptreihensterne sind mit denselben Methoden beobachtbar wie Protosterne. Des Weiteren besteht aber auch die Möglichkeit, die protoplanetare Scheibe durch Streulicht zu beobachten. Die Physik der Streuprozesse erlaubt dabei RĂŒckschlĂŒsse auf die Art der streuenden Staubteilchen.
Mit neuen Teleskopen (z. B. ALMA) wird es in Zukunft auch möglich sein, durch Planeten verursachte LĂŒcken in protoplanetaren Scheiben direkt zu beobachten. Indirekte Hinweise darauf werden bisher bereits in Spektren bei InfrarotwellenlĂ€ngen gefunden. In jungen Hauptreihensternen und Vorhauptreihensternen der Klasse III, in denen sich das Gas in der Scheibe quasi komplett verflĂŒchtigt hat und sogenannte Debris-Disks ĂŒbrig sind, ist es möglich, Planeten direkt zu beobachten.cite-ref-46[46]
Spektrale Klassifikation
Die spektrale Energieverteilung von T-Tauri Sternen ist dominiert durch die Schwarzkörperstrahlung des Zentralgestirns. Die protoplanetare Scheibe sorgt jedoch fĂŒr einen Ăberschuss an Strahlung im mittleren und fernen Infrarot. Durch die verschiedenen Komponenten der Scheibe mit unterschiedlichen Temperaturen kann dieser StrahlungsĂŒberschuss nicht durch einen Schwarzkörper mit einer einzigen Temperatur beschrieben werden.cite-ref-47[47]
Mit dem langsamen AusdĂŒnnen der protoplanetaren Scheibe verschwindet deren Strahlungsanteil fast vollstĂ€ndig und es bleibt die Strahlung des Vorhauptreihensterns. In manchen Systemen findet man jedoch noch einen kleinen Strahlungsexzess, der ĂŒblicherweise auf Debris-Disks hindeutet.
Sternentstehung in Clustern
WĂ€hrend Sterne mit niedriger Masse auch in Isolation entstehen können, formen sich massereichere Sterne nur in sogenannten Clustern, die aus gröĂeren MolekĂŒlwolken entstehen. In solchen Sternhaufen können verschiedene Prozesse zu Abwandlungen vom klassischen Paradigma der Sternentstehung fĂŒhren. Zwei Protosterne, die Material aus demselben MolekĂŒlwolkenkern akkretieren, treten zueinander in Konkurrenz und können den Massenzufluss auf den jeweils anderen Protostern stoppen; Jets und AusflĂŒsse können in andere protostellare Systeme vordringen, und GezeitenkrĂ€fte können als zusĂ€tzlicher Störfaktor auftreten. Dies sind nur einige Beispiele, wie sich die Sternentstehung in Isolation von Entstehungsprozessen in Clustern unterscheiden kann.
Ein weiterer Faktor, der diese beiden Schemata der Sternentstehung (Isolation vs. Cluster) voneinander unterscheidet, ist das Auftreten von massereicheren Sternen in Clustern. Im Gegensatz zur Entstehung von Sternen wie unserer Sonne, die nach rund 10 Millionen Jahren abgeschlossen ist, bilden sich massereiche Sterne mit Massen von mehr als 8 Sonnenmassen in wesentlich kĂŒrzerer Zeit. Prinzipiell werden dabei die gleichen Evolutionsstadien durchlaufen (Gravitationskollaps, Bildung einer Scheibe und Jets), jedoch zeitlich nicht so stark differenziert. WĂ€hrend im Zentrum bereits die Kernfusionsprozesse beginnen, ist der Stern immer noch von einer dichten StaubhĂŒlle verdeckt. Dies wirkt sich vor allem auf die Beobachtbarkeit massereicher Vorhauptreihensterne aus, die somit hauptsĂ€chlich bei Infrarot- und lĂ€ngeren WellenlĂ€ngen beobachtet werden können.
Da massereichere Sterne höhere OberflĂ€chentemperaturen von mehreren 10.000 K haben, besteht ihre thermische Strahlung zum GroĂteil aus UV- und weicher Röntgenstrahlung. Der Strahlungsdruck kann dabei so groĂ werden, dass er eine weitere Akkretion verhindert. Weiterhin ist diese Strahlung in der Lage, neutrale Wasserstoffatome in der HĂŒlle zu ionisieren. FĂŒr O-Sterne kann diese sogenannte H-II-Region einen Durchmesser von rund 100 Lichtjahren haben. Die Ionisation und die darauffolgende Rekombination fĂŒhren zur Emission der Wasserstoffserien, wobei die dominierende Linie die Hα-Linie der Balmerserie mit 656,3 nm ist.
Ebenso schnell wie diese massereichen Sterne entstanden sind, ist ihr nuklearer Brennstoff aufgebraucht; die Sterne enden schlieĂlich als Supernovae. Dabei werden explosionsartig durch Kernfusion entstandene Elemente an das interstellare Medium abgegeben. Von ihnen ausgehende Druckwellen können zu lokalen Verdichtungen der umgebenden MolekĂŒlwolke fĂŒhren, die dadurch gravitativ instabil werden und ihrerseits wiederum neue Sterne bilden.cite-ref-48[48]
Sternpopulationen
â
Hauptartikel
:
Population (Astronomie)
Die vorangehenden Abschnitte schildern die am besten verstandenen SternentstehungsvorgĂ€nge: die Sternentstehung im heutigen Universum. In der FrĂŒhzeit der kosmischen Geschichte lagen allerdings deutlich andere Bedingungen vor, und dies erfordert andere Modelle der Sternentstehung: Sterne beziehen beim Erreichen der Hauptreihe ihre Energie quasi ausschlieĂlich aus Kernfusionsprozessen. Dies fĂŒhrt schlieĂlich zur Entstehung von Helium, Kohlenstoff und weiteren schwereren Elementen bis hin zu Eisen. Ăber Sternenwinde oder durch gewaltige Supernova-Explosionen gelangen diese Elemente schlieĂlich in das interstellare Medium und reichern dieses mit Metallen an (wobei in der Astronomie gemeinhin alle Elemente auĂer Wasserstoff und Helium als Metalle bezeichnet werden). Diese Metalle spielen in der Sternentstehung eine durchaus wichtige Rolle. Staubpartikel sorgen ebenso wie einige MolekĂŒle (z. B. CO) fĂŒr eine effiziente KĂŒhlung von MolekĂŒlwolkenkernen, was schlieĂlich zur gravitativen InstabilitĂ€t und somit zum Kollaps fĂŒhrt.
Sterne im frĂŒhen Universum konnten sich jedoch nur aus den leichten Elementen formen, die sich kurz nach dem Urknall bildeten. Deswegen mĂŒssen sich die Sternentstehungsprozesse fundamental von unserem VerstĂ€ndnis von Sternentstehung in der heutigen Zeit unterscheiden. Ein möglicher Mechanismus ist die massenweise Entstehung von Hunderten bis Millionen von Sternen in Haufen, in denen GezeitenkrĂ€fte und komplexe Wechselwirkungen zwischen den Haufenmitgliedern eine wichtige Rolle spielen. Die metallarmen Sterne, die sich dabei bilden, sogenannte Population-III-Sterne, dĂŒrften wesentlich schwerer und somit auch heiĂer geworden sein als Sterne heutzutage.cite-ref-49[49]
Die Nachfolgegeneration von Sternen, die sogenannte Sternpopulation II, hatte schon eine Anreicherung an Metallen im astronomischen Sinne, die zwar nicht die HĂ€ufigkeitsverhĂ€ltnisse bei Sternen wie unserer Sonne erreichte (die zur sogenannten Population I gehört), aber bereits ein deutlich schnelleres AbkĂŒhlen der betreffenden MolekĂŒlwolken ermöglichte, so dass sich bevorzugt Sterne bilden konnten, deren Masse kleiner ist als die unserer Sonne.cite-ref-50[50] WĂ€hrend Sterne der Population III bis heute noch nicht beobachtet wurden, befinden sich im Halo unserer MilchstraĂe, einer Gegend mit relativ niedriger Sternentstehungsrate, metallarme Population-II-Sterne. In der Scheibe der MilchstraĂe selbst befinden sich hingegen hauptsĂ€chlich Population-I-Sterne.
WÀhrend Population-III-Sterne der ersten Generation bisher nicht entdeckt wurden, wurde 2014 der bisher Àlteste Stern der Population II, mit einem Alter von rund 13,6 Milliarden Jahren, entdeckt (SMSS J031300.36-670839.3, SM0313).cite-ref-51[51]
Sternentstehung in Galaxien
Sternentstehung ist ein SchlĂŒsselprozess bei der Entstehung und Entwicklung von Galaxien. Die zentrale Frage ist dabei, wo und wie effizient in Galaxien Gas in Sterne umgesetzt wird.
Galaxien lassen sich einteilen in solche, die noch in gröĂerem Umfang neue Sterne bilden, und solche, in denen die SternentstehungsaktivitĂ€t weitgehend zum Erliegen gekommen ist.cite-ref-52[52] Diese Einteilung entspricht einer charakteristischen Farbverteilung der Galaxien mit einer Gruppe von blĂ€ulichen (aktive Sternentstehung) und einer Gruppe von rötlichen (kaum Sternentstehung) Galaxien.cite-ref-53[53] Die Entwicklungstrends dieser beiden Galaxientypen sind eine SchlĂŒsselbeobachtung der Galaxienentwicklung: Die Anzahl der sternbildenden Galaxien bleibt dabei pro betrachtetem (expandierenden) kosmischen Volumen weitgehend gleich, wĂ€hrend die Anzahl der âtotenâ Galaxien im Laufe der letzten rund 10 Milliarden Jahre stetig zugenommen hat.cite-ref-54[54]
Bereits in den 1970er Jahren wurde erkannt, dass verformte Galaxien â nach heutigem VerstĂ€ndnis die Ergebnisse der Wechselwirkung mehrerer Galaxien miteinander â eine blĂ€ulichere Farbe haben als herkömmliche Galaxien des jeweils gleichen Typs. Der Vergleich mit Modellen zeigte, dass die Eigenschaften solcher Galaxien auf vergleichsweise kurze, nĂ€mlich nur einige zehn Millionen Jahre andauernde Phasen intensiver Sternentstehung hinweisen. Solche Galaxien heiĂen (auch im Deutschen) Starburst-Galaxien.cite-ref-55[55]
In unserer Heimatgalaxie, der MilchstraĂe, entsteht rund eine Sonnenmasse an neuen Sternen pro Jahr.cite-ref-56[56]
Literatur
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Weblinks
Einzelnachweise
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